Künstliche Intelligenz wird für mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Wer die mit ihr verbundenen technischen Möglichkeiten ignoriert, wird schon bald im Konkurrenzkampf nicht mehr mithalten können. Und wer nicht rechtzeitig investiert, sondern zu lange wartet, der droht so weit zurückzufallen, dass der Rückstand nicht mehr aufzuholen ist. Andererseits gilt aber auch, dass die Anschaffung von KI im Unternehmen wohl durchdacht sein sollte, denn sonst droht die Gefahr, dass Lösungen für viel Geld gekauft werden, die das Unternehmen gar nicht benötigt. «Viele Unternehmen kaufen sich derzeit eine grosse Lösung und kleben sich dann den Button «KI» drauf, weil sie glauben, ihr Produkt sei dann mehr wert. Das ist aber der falsche Weg», sagt Jannik Reinhard, Head of AI beim Epic Fusion.
Herr Reinhard, wie sieht denn der richtige Weg aus, wenn ein Unternehmen darüber nachdenkt, KI anzuschaffen??
Nicht mit dem Tool anfangen, sondern mit der Business-Analyse. Wir bei Epic Fusion wollen zuerst verstehen, wie gearbeitet wird, welche Tools bereits im Einsatz sind und wo KI tatsächlich einen Mehrwert bringt. KI muss in die bestehende Arbeitsumgebung integriert werden. So vermeiden wir neue Insellösungen und platzieren KI dort, wo sie wirklich Wirkung entfaltet. Unser Ziel ist es, KI in die Mitte des Unternehmens zu stellen und Prozesse effizienter gestalten.
Und wenn diese Fragen beantwortet sind?
Dann geht es um drei Dinge: Governance, Zielbild und Umsetzung. Governance steht dabei ganz am Anfang. Wer KI einfach einkauft, ohne zu wissen, was mit den eigenen Daten passiert, geht ein unnötiges Risiko ein und riskiert, seine Daten an amerikanische und chinesische Anbieter zu überführen. Wir müssen deshalb früh klären, welche Daten verarbeitet werden, wo sie liegen und welche Anbieter wir einsetzen.
Und die anderen beiden Punkte?
Es braucht, zweitens, ein genaues Zielbild: Was soll KI konkret verbessern? Erst danach geht es an die Umsetzung. Nicht jede KI-Anwendung ist automatisch sinnvoll – sie muss einen messbaren Mehrwert für das Unternehmen liefern.
Ist es ratsam, in Schritten zu arbeiten oder besser, alles auf einmal umzusetzen? und Softwareanbietern?
Es ist besser, schrittweise zu starten. Wir picken zunächst einige Bereiche heraus, und schauen, wie die KI-Lösung funktioniert. In diesem Stadium sind Fragen wichtig wie: Wird sie von Mitarbeitenden genutzt? Spart sie Zeit? Wo hat es Potential? Diese Ergebnisse können wir dann hochskalieren und für den weiteren Prozess nutzen. So setzen wir die Lösung nach und nach um.
Wie wichtig ist es, die Angestellten einzubeziehen?
Sehr wichtig. KI verändert die Art, wie Menschen arbeiten. Deshalb müssen Mitarbeitende verstehen, was sich verändert, was ihnen KI bringt und wo weiterhin der Mensch entscheidet. Denn nur wenn die Mitarbeitende mitziehen, kann KI zum Erfolg für da Unternehmen werden. Und weil sich KI ständig weiterentwickelt, gehört auch eine kontinuierliche Weiterbildung dazu.
Wie lange dauert es, bis sich die Kosten amortisieren?
Produktivität und Effizienz steigen, sobald die erste Teillösung implementiert ist. Und schon bald kann das Unternehmen das Produkt breiter aufbauen, Mitarbeitende stärker entlasten sowie erheblich effizienter arbeiten. Zudem muss es weniger externe Experten, zum Beispiel für Vertragsprüfung, beziehen – das alles spart Kosten. Entscheidend ist, KI nicht als einzelnes Tool zu sehen, sondern als Hebel für eine effizientere Arbeitsweisen.