Bern Hauptbahnhof, Mittwochmorgen, kurz vor acht: Zwischen Pendlerströmen und Kaffeeduft ziehen Lanyards und Laptoptaschen Richtung Welle 7. Am 4. November 2026 hatten Hunderte Microsoft-Experten dasselbe Ziel: Experts Live Switzerland.
Viele Organisationen haben AI-Projekte gestartet. Die Etablierung im Alltag und die gewinnbringende Nutzung fällt ihnen jedoch schwer. Genau darum drehte sich in Bern vieles: Wie bringt man AI-Pilotprojekte und Agents produktiv zum Laufen, und wer behält die Kontrolle darüber?
Experts Live ist ein Community-Event rund um Microsoft Technologien. Das Programm spannte den Bogen von Azure und Cloud über KI und Copilot bis zu Security, Modern Workplace und Infrastruktur. Am Anfang standen die Opening Note «Community Power in the Age of AI» und die Keynote «Kinda chic to get pwned by your own agent» von Sarah Young. Dazu kamen Breakout-Sessions, drei «Ask the Experts»-Runden und die Sponsor-Expo. Auffällig viele Sessions widmeten sich dem Thema AI-Agenten: Governance für Copilot Agents, Agent 365 mit Copilot Studio, nicht-menschliche Identitäten, Entra Agent ID. Das deckt sich mit dem, was wir bei Kunden sehen. Agents sind keine Zukunftsmusik mehr, sie laufen schon im Tenant. Offen ist, wer sie im Griff hat. Für uns hängen drei Themen eng zusammen: AI, Security und Workplace.
Ein Logo auf der Wand reicht uns nicht als Grund. Auch wenn wir gerne darüber Witze machen. Vieles, was wir in Projekten mit Microsoft 365, Azure, Intune und Copilot einsetzen, haben andere vor uns gelöst und mit der Community geteilt. Das wollen wir unterstützen. Dazu kommt ein ganz praktischer Effekt: Fünf Minuten im Gespräch bringen oft mehr als eine Mailkette über zwei Wochen. In unserer eigenen Session «Enough Pilots. Put your Agents to work.» von Jannik Reinhard ging es darum, die Pilotphase zu verlassen und Agents wirklich produktiv um- und einzusetzen.
Stockt ein Copilot-Projekt, liegt das kaum am Sprachmodell. Meist fehlt etwas drumherum:
Berechtigungen: Copilot zeigt, was Mitarbeitende ohnehin sehen dürfen. Was früher niemand fand, findet ein Assistent in Sekunden. Dieses Oversharing bringt Altlasten ans Licht und gibt die Gelegenheit, endlich aufzuräumen.
Datenqualität: Wenn drei Versionen einer Richtlinie in drei Ordnern liegen, gibt auch der beste Assistent irgendeine davon aus.
Adoption: Konkrete Anwendungsfälle pro Rolle helfen mehr als allgemeine «AI»-Schulungen.
Bei Agents stellt sich zusätzlich die Frage nach der Verantwortung. Wir behandeln sie wie neue Mitarbeitende mit Systemzugriff. Sie bekommen einen Besitzer, minimale Rechte und regelmässige Access-Reviews.
In fast jedem Gespräch tauchen drei Themen auf.
Identität: Phishing-resistente Anmeldung und gepflegte Conditional-Access-Richtlinien schützen oft besser als ein weiteres Zusatzprodukt. Mit AI-Agenten kommen Identitäten dazu, die kein Mensch sind und trotzdem Rechte brauchen.
Daten: Sensitivity Labels und Data Loss Prevention in Purview legen fest, was ein Assistent lesen und weitergeben darf.
Reaktion: Wer den Ernstfall einmal in einer Tabletop-Übung durchgespielt hat, kennt seine Lücken, bevor sie wehtun.
Für Schweizer Unternehmen kommt das revidierte Datenschutzgesetz hinzu, das seit dem 1. September 2023 gilt. Wer AI-Dienste einsetzt, sollte wissen, wo personenbezogene Daten liegen und wer darauf zugreift.
Ein Gerät, das sofort startet, ein Update ohne Unterbruch, Teams ohne Kanalchaos: Daran merken Mitarbeitende, ob Technik hilft oder im Weg steht. Intune und Autopilot sparen Aufwand und erhöhen die Sicherheit. Schwierig ist meist der Übergang. Pilotgruppen, klare Kommunikation und ein Plan für Ausnahmen helfen dabei.
Die besten Tipps kommen oft von Kolleginnen und Kollegen, die denselben Fehler schon gemacht haben. Am Experts Live Event ging die Community über den Technikaustausch hinaus.
Women in Tech hatte einen eigenen Platz und die Session «Gender Inequality in Tech» fragte, wer Technologie gestaltet und wessen Perspektive fehlt. Auch die Sessions zu Neurodiversität und zu Storytelling machten deutlich, dass Technik nur wirkt, wenn Menschen mitkommen.
Wissen wir, was unser KI-Assistent sehen kann? Eine Berechtigungsanalyse vor dem Rollout ist günstiger als Aufräumen danach.
Wer besitzt unsere Agents? Jeder braucht eine verantwortliche Person.
Welche drei Anwendungsfälle pro Abteilung zählen wirklich?
Haben wir den Ernstfall geübt?
Was lassen wir bewusst bleiben? Aussortieren gehört zur Modernisierung.
Ein Konferenztag geht zu Ende, die Arbeit nicht. Was bleibt, ist ein Kontakt, den man sich merkt, eine Idee, die man ausprobiert, eine Frage, die man im nächsten Projekt anders stellt. Danke an die Organisatoren, an alle Speaker und an alle, die mit uns ein Rennen gewagt haben.