Im Juli hat der Autopilot den Arbeitsalltag erreicht – erinner dich an Copilot Wave 6. Neue Modelle mit GPT-5.6 und Claude Opus 5, Notebooks als Projekt-Hub, mehr Kontext in Outlook und deutlich mehr Governance rund um Agenten. Copilot ist damit reifer und verlässlicher geworden. Was dabei offen geblieben ist, sind zwei Fragen: Wie viel Aufwand steckt eigentlich in einer Aufgabe? Und was kostet mich das am Ende des Monats?
Genau darauf antwortet die Copilot Wave 7 mit der grossen Neuigkeit: Copilot ist berechenbar. Du steuerst den Aufwand selbst, siehst den Verbrauch in Echtzeit und teilst dein Ergebnis mit einem Link. Dazu kommen sehr viele Verbesserungen quer durch alle Apps. Besonders PowerPoint hat diesen Monat richtig aufgeholt. Kurz gesagt: Nach «Copilot arbeitet selbstständig» folgt jetzt «und du weisst jederzeit, was er tut und kostet». Gehen wir es der Reihe nach durch.
Das ist wohl die wichtigste Neuerung. Bisher hat Cowork einfach gearbeitet und du hast gehofft, dass der Aufwand in Relation zur Aufgabe war. Neu entscheidest du. Direkt im Eingabefeld wählst du ein Effort-Level. Damit steuerst du, wie Cowork Qualität, Tempo und Credit-Verbrauch gegeneinander abwägt:
Light für einfachere Aufgaben
Medium ist der Standard für die tägliche Arbeit
High, Extra High und Max geben Cowork mehr Raum für tiefere Analysen, komplexes Denken und ausführlichere Antworten
Der Haken bei den hohen Stufen ist offensichtlich: Sie dauern länger und brauchen dein Limit schneller auf. Modellwahl und Aufwandstufe erscheinen jetzt gemeinsam im Eingabefeld, du musst also nicht mehr in zwei Menüs suchen.
Zuvor war die Modellwahl die einzige Stellschraube. Jetzt kannst du dieselbe Aufgabe mit demselben Modell einmal schnell und einmal gründlich laufen lassen. Für eine kurze Zusammenfassung reicht Light. Für eine Offerte oder eine Analyse, die beim Kunden landet, nimmst du eine höhere Stufe. Passend dazu wurde der Befehl /cost ausgebaut. Er schätzt nicht mehr nur die Credits der laufenden Aufgabensitzung, sondern zeigt zusätzlich, wie viel Prozent deines Monatslimits noch übrig sind. Und natürlich wie viele Credits du diesen Monat bereits verbraucht hast und wann das Monatslimit zurückgesetzt wird. Bisher war der Verbrauch für die Nutzer eine Blackbox, die erst im Admin Center sichtbar wurde. Jetzt sieht jede Person selbst, wo sie steht.
Und noch eine Umbenennung, die mehr ist als nur ein neuer Name: Der Tab «Scheduled» heisst neu «Automations». Dort verwaltest du alle automatisierten Aufgaben an einem Ort, sowohl die zeitgesteuerten als auch die, die durch ein Ereignis ausgelöst werden. Das zeigt, wohin die Reise geht. Cowork ist nicht mehr nur der Ort, an dem du eine Aufgabe abgibst, sondern der Ort, an dem Aufgaben von selbst starten.
Lass Medium als Standard stehen und nutze die hohen Stufen bewusst und einzeln. Der Reflex, immer Max wählen zu wollen, ist verständlich, kostet aber unnötig. Und nimm dir vor, einmal pro Woche /cost einzugeben. Zwei Sekunden Aufwand und du weisst, wohin deine Credits fliessen. Für dein Team: Kläre jetzt, wer welche Stufe nutzen darf. Wer diese Leitplanke früh setzt, kann Cowork breit freigeben, ohne die Kosten aus den Augen zu verlieren.
Der Copilot Chat hat mit der Wave 7 gleich mehrfach zugelegt. Alle diese Chat-Neuerungen sind im August ausgerollt worden:
Du markierst in einer Antwort einen Satz, Abschnitt oder Tabelle und bittest Copilot, nur mit diesem Inhalt weiterzuarbeiten. Der markierte Text wird dir vor dem Senden im Prompt angezeigt. Du siehst also genau, worauf sich deine Frage bezieht. Gedacht ist das für gezieltere Erklärungen, Zusammenfassungen, Übersetzungen und nächste Schritte. Das Kopieren in einen neuen Prompt entfällt damit.
Du teilst neu eine ganze Chat-Sitzung oder eine einzelne Antwort per Link. Den ganzen Chat über «Chat teilen» im Menü unter «Teilen» oben rechts. Eine einzelne Antwort über das Menü mit den weiteren Optionen am Ende der Antwort. Der Empfänger bekommt eine Ansicht nur zum Lesen und kann das Gespräch danach als eigenes weiterführen. So lässt sich Arbeit wiederverwenden und gemeinsam nutzen.
Persönliche Einschätzung: Ich halte das für die am meisten unterschätzte Neuerung. Ein guter Prompt-Verlauf ist Arbeit und bisher ist diese Arbeit im eigenen Chat verschwunden. Jetzt gibst du sie weiter, statt sie im nächsten Meeting zu erklären.
Copilot kann jetzt mit Daten aus Power BI Berichten und semantischen Modellen arbeiten. Du stellst deine Frage in natürlicher Sprache und bekommst eine belegte Antwort aus den Daten, auf die du Zugriff hast. Die Funktion war seit Juni in der Public Preview und ist im August weltweit ausgerollt worden.
Der Halbsatz mit dem Zugriff ist der entscheidende: Die bestehenden Berechtigungen bleiben der Rahmen. Genau das braucht es, damit so etwas in einem Unternehmen überhaupt eingesetzt werden kann.
Copilot zeigt Inhalte neu in modellgesteuerten Antwortkarten an. Zum Beispiel für Wetter, Sport, Finanzen, Bilder, Videos, Orte oder News. Die Karten erscheinen für Entra- und Microsoft-Konten je nach Prompt in den unterstützten Copilot-Oberflächen.
Du kannst neu eine neue Antwort auf deinen letzten Prompt erzeugen, ohne von vorne zu beginnen. Entweder mit demselben Modell oder du wählst ein anderes Modell und lässt denselben Prompt nochmals laufen. So probierst du verschiedene Antworten aus und verbesserst das Ergebnis, ohne das Gespräch neu zu starten.
Mein Tipp: «Try again» mit einem anderen Modell ist der schnellste Weg, ein Gefühl dafür zu bekommen, welches Modell zu welcher Aufgabe passt. Gleicher Prompt, zwei Modelle, direkter Vergleich. Das ist die beste Modellschulung, die es gibt, und sie dauert nur ein paar Sekunden.
Du beschreibst, was du schreiben willst, und Copilot erstellt einen eingebetteten Outlook-Entwurf direkt im Copilot Chat. Danach öffnest du ihn in Outlook Mobile zum Bearbeiten und Senden.
Die Notebooks bekommen eine neue Grundstruktur. Es gibt sie jetzt an zwei verbundenen Orten:
In der Copilot App als leichte Variante. Dort chattest du schnell mit Copilot, schaust dir Referenzen an und erstellst Artefakte.
In OneNote als richtiger Arbeitsbereich. Dort arbeitest du am Projekt, erstellst mehr Arten von Artefakten und arbeitest im Team zusammen.
Beide Seiten bleiben synchron. Du wechselst zwischen der Copilot App und OneNote, ohne den Kontext zu verlieren. Von der App aus geht es mit «In OneNote öffnen» direkt hinüber. Dazu kommt etwas, das ich sehr spannend finde: Notebooks schlagen dir von sich aus Artefakte vor, basierend auf Work IQ und dem Inhalt deines Notizbuchs. Wählst du einen Vorschlag aus, erstellt Copilot daraus ein konkretes Word-, Excel- oder PowerPoint-Dokument, passend zu deinem Notizbuch und deinem aktuellen Projekt. Copilot wartet also nicht mehr nur, bis du fragst, sondern erkennt, was als Nächstes sinnvoll wäre.
Noch nicht ganz da, aber für September angekündigt: Multimodale Erfassung auf Android. Damit bringst du Gespräche, Meetings, Brainstormings und andere Arbeitsmomente in die Notebooks. Du erfasst Audio, Bilder und Notizen in einem Durchgang und Copilot erzeugt daraus automatisch strukturierte Notizen. In der OneNote-App auf iOS und iPad gibt es das ebenfalls.
Nimm das nächste Projekt, das du startest, und leg dafür bewusst ein Notebook an, statt die Dateien nur in einem Ordner abzulegen. Der Unterschied zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern im dritten Monat, wenn jemand fragt: «Wie haben wir das damals eigentlich entschieden?».
Du kannst die Sprache einer Meeting-Zusammenfassung nachträglich ändern, also nachdem sie bereits erstellt wurde. Ein Übersetzen-Button macht mehrsprachige Zusammenfassungen möglich.
Für ein Land wie die Schweiz ist das mehr als ein Detail. Das Meeting läuft auf Deutsch, die Zusammenfassung geht auf Französisch an die Kollegin in Lausanne und auf Englisch an den Partner im Ausland. Bisher hat das jemand manuell initiiert oder es ist schlicht nicht passiert.
Drei Verbesserungen, die zusammen einen spürbaren Unterschied machen:
Hyperlinks: Du bittest Copilot einfach darum, Links einzufügen, und er setzt und formatiert den verlinkten Text direkt im Dokument. Kein manuelles Nacharbeiten mehr.
Aufgaben in Kommentaren zuweisen: Copilot holt die richtigen Beteiligten in den Kommentar-Thread und weist Folgeaufgaben automatisch zu. So kommt ihr schneller von Feedback zu Handlung, die Reviews bleiben geordnet und niemand muss die nächsten Schritte von Hand nachverfolgen.
Strenge Markentreue: Diese Einstellung beschränkt Copilot auf deine freigegebene Vorlage und die Folienmaster-Layouts. Ist sie aktiv, fügt Copilot keine Platzhalter hinzu oder entfernt sie, und er erfindet auch keine neuen Layouts. Gedacht ist das für alles, wo Markenkonformität wichtiger ist als kreative Freiheit, also offizielle Präsentationen, Kundenunterlagen und regulierte Themen.
Note Steering: Ermöglicht die Steuerung von Copilot über Anweisungen in natürlicher Sprache, die direkt in den Foliennotizen hinterlegt werden. Copilot berücksichtigt diese Vorgaben bei jeder Erstellung einer Präsentation aus der Vorlage. So müssen wiederkehrende Anforderungen nicht in jedem Prompt erneut eingegeben werden.
Eigene Skills: Du kannst in PowerPoint eigene Skills hochladen, erstellen, bearbeiten und löschen. Skills machen aus wiederkehrenden Anweisungen eine wiederverwendbare Vorgabe, die Copilot direkt bei der Arbeit anwendet.
Zusätzlich im Frontier-Programm: Copilot kann neu SmartArt bearbeiten und bleibt dabei im Markendesign. Diagramme und Formen auf der Folie überarbeitest du damit über Copilot, statt sie von Hand einzufügen und auszurichten.
Mein Tipp zu PowerPoint: Strenge Markentreue und Note Steering gehören zusammen. Wer als Firma eine saubere Vorlage hat, sollte beides jetzt einrichten. Du bekommst damit zum ersten Mal eine echte Governance für KI-generierte Folien, statt nach jeder Präsentation das Design von Hand zu korrigieren. Das ist der Punkt, den ich diesen Monat als Erstes umsetzen würde.
Der Skill für den Änderungsverlauf hilft zu verstehen, wie sich eine Arbeitsmappe über die Zeit entwickelt hat. Copilot fasst die letzten Änderungen zusammen, zeigt, wer was bearbeitet hat, und erklärt, wie Menschen als auch die KI die Mappe verändert haben. Und er kann mehr als nur erklären: Er hilft dabei, einzelne Änderungen rückgängig zu machen oder Formeln wiederherzustellen, indem er die Mappe in einen früheren funktionierenden Zustand zurückversetzt. Wer schon einmal eine Stunde damit verbracht hat, in einer geteilten Mappe die Ursache einer falschen Zahl zu suchen, weiss genau, wie viel das wert ist.
Der Chatverlauf sorgt dafür, dass du dort weitermachst, wo du aufgehört hast. Frühere Gespräche und Sitzungen bleiben erhalten. Du öffnest sie über das Menü-Symbol oben links im Copilot-Bereich. Die Gespräche sind nach Aktualität sortiert.
Du kannst neu persönliche Skills in Copilot in SharePoint erstellen und sie über alle SharePoint-Sites und in OneDrive nutzen. Jeder eigene Skill wird als Markdown-Datei in OneDrive gespeichert. Du musst deine Skills also nicht für jede Site neu anlegen. Das ist der entscheidende Unterschied zu bisherigen Ansätzen: Der Skill hängt an dir, nicht an der Site. Wer regelmässig dieselbe Art von Dokumenten aufbereitet, gewinnt hier bei jeder Wiederholung Zeit. Die Funktion ist im August in die Public Preview gegangen, der weltweite Rollout folgt im Dezember.
Custom Engine Agents sind neu direkt in Outlook verfügbar. Du greifst dort auf sie zu, wo du deine Arbeit ohnehin organisierst.
Noch praktischer finde ich den zweiten Punkt: Copilot in Outlook erledigt neu deutlich mehr E-Mail- und Kalenderaufgaben in natürlicher Sprache. Du bittest Copilot darum, Nachrichten zu ordnen, Kategorien zu vergeben, Ordner anzulegen, Posteingangsregeln zu verwalten sowie Meetings und Termine zu bearbeiten, und zwar alles direkt aus dem Chat.
Das ist genau die Art Arbeit, die niemand gerne macht und die deshalb liegen bleibt. Regeln im Posteingang sind ein gutes Beispiel: Die meisten wissen, dass es sie gibt, und die wenigsten pflegen sie, weil das Menü umständlich ist. Ein Satz im Chat ist eine ganz andere Hürde.
Copilot in OneDrive kann nun mehr mit deinen Daten. Du kommst neu direkt aus dem Chat von der Datei zum fertigen Ergebnis. Copilot hilft, den richtigen Inhalt zu finden, Dateien und Daten zu analysieren, daraus fertige Resultate wie Zusammenfassungen, Dashboards oder Präsentationen zu erstellen und diese anschliessend aus OneDrive heraus zu speichern oder zu teilen.
Der Planner Agent macht aus deinen Plandaten einen fertigen Statusbericht mit Fortschritt, Risiken, Gesamtstatus und nächsten Schritten. Und du gibst dabei vor, für wen der Bericht ist, in welchem Ton, wie lang und mit welchen Abschnitten. So entsteht in kurzer Zeit ein Update, das man wirklich weitergeben kann.
Wer regelmässig einen Projektstatus schreibt, weiss, wie viel Zeit das frisst und wie oft er trotzdem veraltet ist. Ein Bericht, der sich aus den tatsächlichen Aufgaben speist, ist nicht nur schneller, sondern auch ehrlicher.
Im September kommt dazu, dass Copilot Planner-Aufgaben erstellen und Aufgabeninformationen abfragen kann. Damit verwaltest du Aufgaben über Copilot und Planner hinweg, ohne ständig zu wechseln.
Der Copilot Wave 7 wirkt ruhig, wenn man nur auf die Schlagzeilen schaut. Kein neues Spitzenmodell, kein neuer Agent, keine grosse Bühne. Schaut man genauer hin, ist es aber genau das, was der Nutzer gebraucht hat. Nachdem der Autopilot im Arbeitsalltag angekommen, bekommst du nun das Cockpit dazu. Drei Linien ziehen sich durch alles:
Kontrolle: Du bestimmst den Aufwand und siehst die Kosten. Dabei siehst du in Word, welche Wörter geändert wurden, und du hältst PowerPoint mit strenger Markentreue in deiner Vorlage.
Zusammenarbeit: Chats und einzelne Antworten teilst du per Link. In PowerPoint weist Copilot Aufgaben in Kommentaren zu. Notebooks arbeiten in der App und in OneNote gleichzeitig.
Wiederverwendung: Persönliche Skills in SharePoint, eigene Skills in PowerPoint, Chatverlauf in Excel. Gute Arbeit geht nicht mehr verloren, sobald du ein Fenster schliesst.
Wave 5 hat aus dem Copilot einen Autopilot gemacht. Wave 6 hat ihn in den Arbeitsalltag gebracht. Wave 7 macht ihn transparent und teamfähig. Und genau diese Berechenbarkeit macht in Unternehmen den Unterschied zwischen «wir testen das mal mit ein paar Leuten» und «das können wir jetzt allen geben».