Der Juli war kein Monat der grossen Show-Demos. Es war eher der Monat, in dem Microsoft 365 Copilot spürbar reifer geworden ist. Neue Modelle, stärkere Notebooks, mehr Kontext in Outlook, bessere Unterstützung in PowerPoint und Excel sowie mehr Governance rund um Agenten. Prompts und Datenzugriff zeigen klar: Copilot entwickelt sich vom KI-Assistenten zur echten Arbeitsplattform.
Mit Wave 5 wurde aus Copilot ein Autopilot. Im Juli sehen wir nun, wie dieser Autopilot im Arbeitsalltag ankommt. Es geht weniger um die Frage, was KI theoretisch kann. Es geht viel mehr darum, wie wir jeden Tag sicherer, schneller und besser damit arbeiten. Kurz gesagt: Copilot wird reifer. Nicht nur intelligenter, sondern auch verlässlicher, nachvollziehbarer und näher an den Tools, in denen wir täglich arbeiten.
Die wichtigste Entwicklung im Juli ist die erweiterte Multi-Model-Strategie von Microsoft. Mit GPT-5.6 und Claude Opus 5 kommen zwei starke Modelle in Microsoft 365 Copilot zum Einsatz.
Copilot ist nicht mehr einfach nur ein Chatfenster mit einem Modell im Hintergrund. Copilot wird zu einer Arbeitsplattform, die je nach Aufgabe das passende Modell nutzen kann. Mal braucht es Tempo. Mal Kreativität. Mal tiefes Reasoning. Mal ein Modell, das lange Dokumente oder komplexe Aufgaben besser zusammenhält.
GPT-5.6 eignet sich besonders für breite Alltagsaufgaben, Analysen, Entwürfe und mehrstufige Aufgaben. In Word hilft es beim Strukturieren und Ausarbeiten von Texten. In Excel unterstützt es bei komplexeren Analysen. In PowerPoint hilft es beim Erstellen von Präsentationsentwürfen. Und in Copilot Cowork kann es Aufgaben über mehrere Tools und Dateien hinweg begleiten.
Claude Opus 5 ergänzt diese Richtung. Der Fokus liegt stärker auf komplexer Wissensarbeit, langen Dokumenten, anspruchsvoller Strukturarbeit und mehrstufigen Agenten-Workflows. Besonders spannend ist das für Präsentationen, grössere Dokumente, modellierte Excel-Workbooks und Agenten in Copilot Studio.
Macht aus der Modellwahl kein Expertenthema. Erstellt einfache Leitplanken für eure Organisation:
GPT-5.6 für Tempo, Alltagsaufgaben, Analysen und robuste Entwürfe.
Claude Opus 5 für lange Dokumente, komplexe Strukturarbeit, anspruchsvolle Präsentationen und Agenten-Workflows.
Auto, wenn Nutzende nicht selbst entscheiden wollen.
Bei wichtigen Use Cases lohnt es sich aber, zwei Modelle bewusst gegeneinander zu testen. So wird Modellvielfalt nicht komplizierter, sondern produktiver.
Wenn ich im Juli ein Feature jedem Knowledge Worker zeigen würde, dann wären es Copilot Notebooks. Notebooks sind KI-gestützte Arbeitsbereiche. Dort kannst du relevante Inhalte, Dateien, Notizen und Quellen sammeln, damit Copilot den Kontext einer Aufgabe besser versteht. Wichtig dabei: Copilot arbeitet im Notebook mit den Referenzen, die du bewusst hinzufügst. Es nutzt also nicht einfach automatisch dein gesamtes OneDrive, deine E-Mails oder alle Teams-Chats.
Im Juli werden Notebooks deutlich nützlicher. Aus einem Notebook können Word-Dokumente, Excel-Dateien und PowerPoint-Präsentationen erstellt werden. Zudem helfen Mind Maps dabei, Themen, Muster und Zusammenhänge visuell besser zu verstehen. Das ist ein grosser Schritt. Aus gesammelten Notizen und Dateien entsteht nicht mehr nur Kontext. Es entsteht direkt ein erster brauchbarer Entwurf.
Du sammelst in einem Notebook ein Kick-Off-Protokoll, ein Angebot, ein paar E-Mails, eine PowerPoint-Vorlage und zwei Referenzdokumente. Copilot erstellt daraus eine Projektübersicht in Word, eine erste Excel-Struktur für Aufgaben oder Risiken und ein Management-Deck für den nächsten Status-Call. Du startest also nicht mehr bei null. Du startest mit einem ersten Ergebnis, das du weiterbearbeiten kannst.
Auch Governance spielt hier eine wichtige Rolle. Notebooks funktionieren als klar abgegrenzter Arbeitsbereich. Zusätzlich können generierte Dateien Sensitivity Labels auf Basis der verwendeten Quellen übernehmen. Genau solche Funktionen braucht es, damit KI-Arbeit in Unternehmen sicher skalieren kann.
Positioniert Notebooks nicht als neues OneNote. Positioniert sie als Projekt-Hub für Copilot-Arbeit. Gute Startpunkte sind:
Kundenprojekte
Offerten
Interne Strategiearbeiten
Change-Kommunikation
Workshop-Vorbereitung
Management-Reports
Überall dort, wo viele Quellen in ein klares Ergebnis überführt werden müssen, können Notebooks echten Mehrwert schaffen.
Outlook ist für viele Mitarbeitende die operative Steuerzentrale des Tages. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Copilot dort mehr Kontext versteht. Bisher war Copilot in Outlook oft stark auf einzelne E-Mails oder E-Mail-Threads fokussiert. Im Juli wird der Scope erweitert. Copilot kann bei betroffenen Nutzenden stärker über Inbox, Kalender, Meetings und weitere Unternehmensdaten nachdenken, auf die sie bereits Zugriff haben. Das klingt technisch, ist aber im Alltag ein grosser Unterschied. Aus «Fasse diese E-Mail zusammen» wird zum Beispiel:
«Was sind die neuesten Updates zu Projekt X?»
«Welche offenen Punkte ergeben sich aus meinen E-Mails und Meetings?»
«Welche Termine nächste Woche brauchen Vorbereitung?»
«Wo habe ich freie Zeit für Fokusarbeit?»
Damit wird Copilot in Outlook weniger zum reinen Schreibassistenten und mehr zum Arbeitsnavigator.
Nutzt diese Neuerung für ein kleines internes Enablement zu «Outlook mit Copilot». Für den Start reichen drei einfache Prompts:
«Welche offenen Punkte ergeben sich aus meinen letzten E-Mails und Meetings zu [Projekt]?»
«Fasse mir die wichtigsten Updates aus meiner Inbox zu [Thema] zusammen.»
«Welche Termine nächste Woche brauchen Vorbereitung und welche Unterlagen sollte ich anschauen?»
So wird Copilot direkt dort nützlich, wo viele Mitarbeitende ihren Arbeitstag beginnen.
Auch PowerPoint und Excel erhalten im Juli wichtige Copilot-Updates. In PowerPoint wird Agent Mode mit Work IQ deutlich spannender. Copilot kann Präsentationen stärker auf Basis deines Arbeitskontexts erstellen. Dazu gehören relevante Dateien, Meetings und E-Mails. Auch bestehende Präsentationen können als Referenz dienen, damit Inhalte, Stil und Design besser wiederverwendet werden können. Das ist besonders wertvoll für Sales, Consulting, Projektmanagement und Leadership-Kommunikation. Denn der Engpass ist selten eine einzelne Folie. Der Engpass ist meistens:
die richtigen Quellen finden
den Kontext verstehen
eine gute Struktur erstellen
das Deck im Corporate Design halten
die Story klar auf den Punkt bringen
In Excel geht die Entwicklung ebenfalls weiter. Besonders spannend ist die stärkere Verbindung zu Power BI. Copilot kann Analysen auf governte Power-BI-Daten stützen, inklusive bestehender Berechtigungen. Das reduziert Medienbrüche und hilft, Daten nicht unnötig zu exportieren. Gleichzeitig bringen die neuen Modelle mehr Flexibilität für unterschiedliche Analyseaufgaben.
Viele Juli-Updates sind vielleicht weniger sichtbar, aber für Unternehmen extrem wichtig. Agenten können stärker organisiert, freigegeben und kontrolliert werden. Eigene Agenten lassen sich aus dem Agent Builder in den Agent Store unter «built by your org» einreichen. Danach können sie geprüft und über das Microsoft 365 Admin Center freigegeben werden. Das ist ein wichtiger Schritt. Denn Agenten sollen nicht einfach überall unkontrolliert entstehen. Sie brauchen klare Prozesse.
Auch Company-wide Prompt Publishing in der Copilot Prompt Gallery ist spannend. Organisationen können eigene Prompt-Sammlungen erstellen und tenantweit bereitstellen. Das ist für Adoption enorm wichtig. Denn gute Prompts sollten nicht zufällig entstehen. Sie sollten zu echten Arbeitsprozessen passen, geprüft sein und einfach auffindbar sein. Dazu kommen weitere Themen wie MCP-basierte Agenten, Federated Copilot Connectors, Connector-Verwaltung im Admin Center und erweiterte Möglichkeiten im Copilot Agent Kit.
Startet jetzt mit einem einfachen Agent-Governance-Modell. Klärt zum Beispiel:
Wer darf Agenten bauen?
Wer prüft Agenten?
Wann kommt ein Agent in den Store?
Welche Prompts werden offiziell freigegeben?
Welche Connectors sind erlaubt?
Wer misst Nutzung, Qualität und Risiken?
Ohne diese Antworten wird Agent Adoption schnell unübersichtlich. Mit diesen Antworten wird sie skalierbar.
Ein weiterer wichtiger Trend im Juli: Governance wird sichtbarer. Nicht nur für Admins, sondern auch für Enduser. Microsoft stärkt Funktionen rund um Sensitivity Labels, Wasserzeichen und Adoption Analytics. Generierte Dateien können Labels auf Basis der verwendeten Quellen übernehmen. Für KI-generierte oder KI-veränderte Video- und Audioinhalte können Wasserzeichen relevant werden. Das ist wichtig, weil KI nicht nur schneller Inhalte erstellt. KI erzeugt auch neue Risiken:
Unklare Herkunft von Inhalten
Falsche Weitergabe
Fehlende Klassifizierung
Unsicherheit über Quellen
Fehlende Nachvollziehbarkeit
Labels, Wasserzeichen und klare Berechtigungen sind deshalb keine Bürokratie. Sie sind die Grundlage dafür, dass KI in Unternehmen sicher genutzt werden kann. Auch im Adoption-Bereich passiert viel. Das Copilot Dashboard bietet eine bessere Sicht auf Nutzung, Lizenzierung und Copilot Chat. Für Adoption-Verantwortliche wird es immer wichtiger, lizenzierte Microsoft 365 Copilot Nutzung und Copilot Chat gemeinsam zu betrachten.
Kommuniziert Governance nicht nur als IT-Thema. Nutzt Governance als Vertrauenssignal. Sagt den Nutzenden klar: Copilot kann mehr. Aber Copilot arbeitet unter euren Berechtigungen, mit Labels, mit Admin-Kontrolle und mit nachvollziehbaren Quellen. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen beschleunigt Adoption.
Der Juli 2026 zeigt eine klare Richtung: Copilot wird vom spektakulären KI-Assistenten zur produktiven Arbeitsplattform. Die wichtigsten Punkte:
Modelle werden strategischer. GPT-5.6 und Claude Opus 5 bringen mehr Möglichkeiten. Unternehmen brauchen einfache Leitplanken für die Modellwahl.
Notebooks werden zum Projekt-Hub. Aus Quellen, Notizen und Kontext entstehen Dokumente, Tabellen, Präsentationen und Mind Maps.
Outlook wird zum Arbeitsnavigator. Copilot versteht nicht nur einzelne E-Mails, sondern mehr Kontext rund um Inbox, Kalender und Meetings.
PowerPoint und Excel werden produktionsnäher. Work IQ, Power BI Grounding, Inline Citations und Modellwahl machen Copilot stärker für echte Business Deliverables.
Agenten brauchen klare Governance. Agent Store, Prompt Publishing, Connectors und Agent Kit zeigen: Die nächste Adoption-Welle ist auch eine Governance-Aufgabe.
Vertrauen wird zum Beschleuniger. Sensitivity Labels, Wasserzeichen und Adoption Analytics machen Copilot sicherer, messbarer und besser erklärbar.